Stand-by abschalten: Welche Geräte wirklich Strom fressen

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Stand-by-Geräte verursachen in deutschen Haushalten im Schnitt 60–100 € Stromkosten pro Jahr
  • Die größten Verbraucher: Heimkino-Anlage, Router, Spielekonsolen, ältere TV-Geräte
  • Schaltbare Steckdosenleisten ab 8 € amortisieren sich in wenigen Wochen
  • Einfachste Maßnahme: Geräte vollständig ausschalten statt auf Stand-by lassen

Du zahlst für Strom, den du gar nicht nutzt. Jedes Gerät, das auf Stand-by wartet, zieht permanent Energie aus der Steckdose – oft rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. In einem typischen deutschen Haushalt summiert sich das auf 200–300 kWh pro Jahr, also 70–105 Euro bei einem Strompreis von 35 Cent. Dabei ist das Problem mit einem einfachen Griff zur schaltbaren Steckdosenleiste fast vollständig lösbar.

Was ist Stand-by-Verbrauch genau?

Stand-by bedeutet: Das Gerät ist nicht aktiv in Benutzung, aber trotzdem eingeschaltet – es wartet auf eine Fernbedienung, hält einen Netzwerk-Verbindung aufrecht oder zeigt eine Uhrzeit an. Selbst Ladekabel ohne angeschlossenes Gerät verbrauchen oft noch 0,1–0,5 Watt. Das klingt wenig, aber 20 solcher Geräte gleichzeitig ergeben 2–10 Watt Dauerlast – das läppert sich.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen echtem Stand-by (Gerät wartet, kann sofort reagieren) und dem sogenannten Phantom Load oder Leerlaufverlust: Netzteile, die warm werden, obwohl kein Gerät angeschlossen ist, oder alte Schaltnetzteile, die selbst im Leerlauf Strom „verbraten“.

Die größten Stromfresser im Stand-by – mit echten Messwerten

Nicht alle Geräte sind gleich. Diese Liste zeigt typische Stand-by-Verbräuche laut Messungen des Fraunhofer-Instituts und der Verbraucherzentralen:

  • Heimkino-Receiver / AV-Verstärker: 10–25 Watt – der absolut größte Verbraucher im Wohnzimmer
  • Spielekonsolen (PS5, Xbox Series X): 1–3 Watt im Ruhemodus, bis zu 13 Watt im „schnellen Start“-Modus
  • Ältere Flachbildfernseher (vor 2018): 1–8 Watt
  • Neuere OLED/QLED-TV: 0,3–1 Watt – deutlich besser
  • DSL-Router / Fritzbox: 6–12 Watt – aber nötig, falls du Telefon oder Smart-Home nutzt
  • Mikrowelle mit Uhr: 2–4 Watt
  • Kaffeeautomat (Vollautomat): 3–8 Watt im Stand-by
  • Drucker: 3–7 Watt, obwohl er vielleicht 10 Minuten pro Woche genutzt wird
  • Ladekabel ohne Gerät: 0,1–0,5 Watt – gering, aber vorhanden
  • PC-Monitor (auf Stand-by): 0,3–2 Watt

Besonders perfide: Der AV-Receiver mit 20 Watt Stand-by verbraucht im Jahr 175 kWh – fast so viel wie ein alter Kühlschrank. Das kostet allein 61 € pro Jahr, ohne dass du einmal Musik gehört hast.

Jahreskosten berechnen: So findest du deine Stromfresser

Die Formel ist simpel: Watt × Stunden pro Jahr ÷ 1.000 × Strompreis = Jahreskosten

Beispiel AV-Receiver: 20 W × 8.760 h ÷ 1.000 × 0,35 € = 61,32 €/Jahr. Ein Energiemessgerät (z. B. von Brennenstuhl oder Voltcraft, ca. 15–25 €) zeigt dir den tatsächlichen Verbrauch jedes Geräts – und zahlt sich nach dem ersten entdeckten Stromfresser sofort aus.

Die 4 effektivsten Maßnahmen gegen Stand-by-Verbrauch

1. Schaltbare Steckdosenleiste

Die günstigste und sofort wirksame Lösung. Eine schaltbare Steckdosenleiste mit Hauptschalter (ab 8–15 €) trennt alle angeschlossenen Geräte mit einem Klick vollständig vom Netz. Ideal für Heimkino-Ecke, Schreibtisch und Küche. Viele Modelle haben auch einzeln schaltbare Steckdosen – so kannst du den Router dauerhaft anlassen, aber AV-Receiver und TV komplett trennen.

2. Steckdosen mit Zeitschaltuhr

Für Geräte, die du regelmäßig aber nicht dauerhaft brauchst – zum Beispiel der Kaffeeautomat nur morgens. Eine mechanische Zeitschaltuhr kostet 5–10 € und schaltet das Gerät außerhalb der programmierten Zeiten komplett stromlos.

3. Geräteeinstellungen optimieren

Spielekonsolen haben einen „Energiesparmodus“ oder „tiefen Ruhezustand“, der den Stand-by-Verbrauch von 13 Watt auf unter 1 Watt reduziert. TV-Geräte haben oft eine „EcoHome“-Funktion. Diese Einstellungen sind im Menü versteckt, aber einmal aktiviert dauerhaft aktiv – kein Aufwand, sofortige Wirkung.

4. Alte Geräte ersetzen

AV-Receiver und TV-Geräte vor 2015 haben oft extrem hohe Stand-by-Verbräuche, weil damals keine strengen EU-Vorgaben galten. Seit 2013 schreibt die EU-Ökodesign-Verordnung für neue Geräte maximal 0,5 Watt Stand-by vor. Ein neueres Gerät verbraucht im Stand-by also 95 % weniger – beim Kauf lohnt sich der Vergleich.

Was du besser anlassen solltest

Nicht jedes Gerät solltest du komplett trennen. Der DSL-Router braucht nach dem Einschalten 1–3 Minuten, bis alle Verbindungen stehen – störend, wenn du kurz checken willst. Smart-Home-Hubs, NAS-Server und IP-Kameras brauchen ebenfalls Dauerstrom. Hier lohnt sich das Abschalten kaum. Konzentriere dich auf Unterhaltungselektronik, Küchengeräte und Bürogeräte – das bringt 80 % der möglichen Einsparung.

Fazit: 60–100 Euro sparen ohne jede Einschränkung

Stand-by-Verbrauch zu eliminieren ist die einfachste Stromsparmethode überhaupt: kein Komfortverzicht, keine Investition in neue Geräte, kein technisches Know-how nötig. Eine schaltbare Steckdosenleiste für 12 Euro, einmal angeschlossen, spart in einer Heimkino-Ecke 50–80 Euro pro Jahr. Mach heute Abend den ersten Schritt: Geh durch deine Wohnung und notiere alles, was rot leuchtet, wenn du es eigentlich nicht benutzt.

Lena Bergmann

Lena Bergmann

Autor bei Energieersparnis.com

Lena Bergmann ist Diplom-Ingenieurin für Gebäudetechnik mit über 12 Jahren Erfahrung in der Energieberatung für Privathaushalte und KMU. Nach ihrer Tätigkeit beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft berät sie heute Hausbesitzer beim Umstieg auf erneuerbare Energien und energieeffiziente Heizsysteme. Ihre Fachbeiträge wurden u.a. in der Zeitschrift Gebäude Energieberater veröffentlicht.